Der Freundeskreis im ehemaligen Kohlekeller der Akademie der Künste

In kleinen, verwinkelten Kellerräumen der AdK feierten Ende der 1950-er Jahre Künstler und Künstlerinnen ihre Faschingsfeste.
Die Dekoration der ehemaligen Kohlekeller übernahmen
Manfred Böttcher, Harald Metzkes, Ernst Schroeder und Horst Zickelbein,
alle experimentierfreudige Künstler und Meisterschüler der Akademie.

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Von ihnen entstanden vor dem Mauerbau Wandbilder, die eine unangepasste, wilde und oppositionelle Kunst zeigen und die dem politisch verordneten Kunstbegriff völlig entgegenstand. Kein Wunder, dass den sozialistischen Kunstkritikern der DDR die Wandbilder zu abstrakt und zu unzeitgemäß, zu dekadent und zu formalistisch waren.

Weder wurden die Wandbilder offiziell erwähnt, noch wurden sie öffentlich gezeigt. Aber sie überdauerten die folgenden Jahrzehnte. Nach der Wende wurden sie wiederentdeckt, fotografiert, aufwendig restauriert und konserviert und ab 2018 für Besucher zugänglich gemacht.

Die Gruppe des Freundeskreises bewunderte die freien, unbefangenen und ironischen Szenen im Stil der klassischen Moderne. Allesamt avantgardistische und surrealistische schwarze und bunte Wandbilder, fern von sozialistischen Heldenbildern und Idealvorstellungen. Einige Bilder ähneln weißen Strichmännchen oder muten an wie Höhlenmalereien. Eine kleine Ecke ist ausgefüllt mit einem vielfarbigen Jagdmotiv und einem dominierenden röhrenden Hirsch, in einer anderen Ecke sieht man schwarze Sektgläser und Flaschen. Eine Kunst, die es Anfang der 1960-er Jahre schaffte, einen kulturpolitischen Eklat auszulösen.

Im Foyer der AdK werden aufschlussreiche Video-Interview-Aufzeichnungen mit ehemaligen Meisterschülern, wie Harald Metzkes, Werner Stötzer, Dieter Goltzsche, Strawalde sowie mit Matthias Flügge und den Restauratoren der Kellerbilder gezeigt sowie Tondokumente der kulturpolitischen Auseinandersetzungen aus der frühen DDR präsentiert.

Die Besuchergruppe bedankt sich sehr herzlich bei Frau Lammert für ihre eindrucksvolle und kenntnisreiche Sonderführung durch die Ausstellung.

 

 

Text: Irmtrud Pandza | Foto: Hubert Pandza