Der Freundeskreis im Reichstagsgebäude

Als sich im Jahr 1949 der erste Bundestag konstituierte, gab es wenig mehr als 400 Abgeordnete im Plenarsaal des Bundeshauses in Bonn.
1986 waren es 500 Volksvertreter, die ins Alte Wasserwerk zogen und dort ziemlich zusammenrücken mussten.
Schon 1992 zogen sie in den Behnisch-Bau und 1999 wurden zum letzten Mal die Umzugskisten gepackt.
Seither tagen heute mehr als 700 Abgeordnete des 19. Bundestages im modern umgebauten Reichstagsgebäude im Herzen Berlins.

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Unser Mitglied im Freundeskreis der Saarländischen Galerie, Staatssekretär a. D. Gerd Schmitt, vermittelte für 25 Freunde den Besuch der Kunstsammlung im Reichstagsgebäude. Mit Herrn Dr. Andreas Kaernbach, Kunsthistoriker und Kurator der Arthothek und Herr über rund 4000 Exponate kam die Gruppe in den Genuss einer sehr sachkundigen Führung.

Nach einem Blick in das Restaurant, das der kubanische Künstler Jorge Pardo mit farbigen Kugellampen, Tischen und Stühlen ausgestaltet hat, ging es zu der Installation „Archiv der Deutschen Abgeordneten“ von Christian Boltanski. Hier stapeln sich in hintereinandergestellten Blöcken 5000 ziegelsteinartige Kästen, alle beschriftet mit den Namen der Abgeordneten in der Zeit von 1919 – 1999. In einem Raum auf der Präsidialebene bestaunte die Gruppe das eindrucksvolle Modell des verhüllten Reichstagsgebäudes. Schon 1981 hatten Christo und Jeanne-Claude für die Idee zur Verhüllung des Reichstages gewoben und erst 1995 wurde das Werk  umgesetzt. Rund 400 Originalteile, Modelle, Fotos, Zeichnungen, Protokolle und andere Exponate bezeugen den langen Weg von der Idee bis zur Realisierung des Projektes.

Eine kurze Verschnaufpause gönnte sich die Gruppe im matt belichteten interkonfessionellen Andachtsraum, den Günther Uecker mit sparsamen bildnerischen Ausdrucksmitteln gestaltet hat. Sieben großformatige Tafeln mit Steinen, Asche, Nägeln, Farbe und Sand geben dem Raum eine fast mystische Aura. Auf dem Weg zum Ausgang noch ein Stopp an zwei großformatigen Gemälden von Georg Baselitz, in denen er Motive des Malers Caspar David Friedrich auf den Kopf stellt und in der ihm eigenen Art interpretiert.

Die Gruppe der Freunde der Saarländischen Galerie bedankt sich sehr herzlich für die kurzweilige und eindrucksvolle Kunstführung.

Text: Irmtrud Pandza + Dr. Herbert Mandelartz | Foto: Eveline Kopp