all animals am I

Das Saarland-Stipendium an der Jungen Akademie Berlin: cylixe, Mirkan Deniz, Cornelia Fachinger, Lynn Takeo Musiol, Paulette Penje, Niklas Seidl, Martina Wegener + INVENTAR (2002) - Projekt Klasse Arnold Dreyblatt: Arbeiten von A. Dreyblatt, c. Armand, T. Roessler und J. Schmidt

12. November 2019 – 20. Dezember 2019

Eröffnung

12. November 2019 - 19:00 Uhr

Der Fachbereich Junge Akademie innerhalb der Akademie der Künste Berlin vergibt jährlich zwölf Arbeits- und Aufenthaltsstipendien für die unterschiedlichen, in der Akademie vertretenen Kunstsparten. Darunter das seit 2001 eingerichtete Saarland-Stipendium für Absolvent*innen der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Seit 2014 erfolgt die Vergabe des Saarland-Stipendiums, im zweijährigen Rhythmus.
Ziel des Stipendiums ist die Förderung des künstlerischen Austauschs zwischen dem Saarland und Berlin, wobei Arbeitskontakte zwischen jungen Künstler*innen der international ausgerichteten Jungen Akademie sowie den dort vertretenen unterschiedlichen Kunstbereichen ermöglicht werden sollen.

Die aktuelle Ausstellung „all animals am I“ in der Saarländischen Galerie stellt Arbeiten der Saarland-Stipendiatinnen Cornelia Fachinger, Paulette Penje und Martina Wegener vor. Alle drei arbeiten zum Teil in gemeinsamen Projekten mit den Akademie-Stipendiat*innen cylixe, Mirkan Deniz, Lynn Takeo Musiol und Niklas Seidl zusammen. Zusätzlich wird eine aktuelle Fassung einer früheren Arbeit von Arnold Dreyblatt vorgestellt, der von 2001 bis 2003 als Gastprofessor an der HBKsaar tätig war und dabei mit Studierenden und Lehrenden eine Archiv-Arbeit in der saarländischen Gemeinde Rubenheim realisierte.
Auch diese dritte Ausstellungskooperation von HBKsaar, Junger Akademie und Saarländischer Galerie dokumentiert einen interdisziplinären Ansatz in dem Zusammenwirken von Bildender Kunst, Musik und Darstellender Kunst. Zudem zeigt sich eine Verschiebung von Reduktion, Grenzüberschreitung, Raumbezogenheit und Wahrnehmung als prägende Denkfiguren der künstlerischen Anfänge bei den ersten Saarland-Stipendien hin zu einer verstärkten Orientierung in das Feld der künstlerischen Forschung sowie in performative und prozessorientierte Interaktionen.

Gefördert wird das Stipendien-Programm durch den Ministerpräsidenten des Saarlandes, mit Unterstützung durch den Bevollmächtigten des Saarlandes beim Bund und Chef der Staatskanzlei, Staatssekretär Jürgen Lennartz.

Informationen zu den Künstler*innen:

MARTINA WEGENER, Saarlandstipendiatin 2018. 1987 in Stuttgart geboren, lebt und arbeitet in Stuttgart. 2007–2014 Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken, Meisterschülerin von Georg Winter. 2016 Tutorin an der HBKsaar. 2017 Lehrauftrag an der HBKsaar. 2010 bis 2016 Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. 2016 golden camera award, Ukiyo camera Systems. Kunst-am-Bau-Projekt 2015, Fährman, Völklingen/Wehrden. Gründungsmitglied und ehemaliger Vorstand des neuen Saarbrücker Kunstvereins. Darüberhinaus immer wieder im Einsatz für das S_A_r Projektbüro, das Planet Dance Ensemble und Teil des Produzentenverlags ismellpainter. www.martinawegener.de

PAULETTE PENJE: Saarlandstipendiatin 2016 (in Zusammenarbeit mit NIKLAS SEIDL Berlinstipendiat Musik 2016 als KÜNSTLERDUO KOMBÜSE)

KÜNSTLERDUO KOMBÜSE Paulette Penje und Niklas Seidl haben sich im Rahmen des Stipendienprogramms der Akademie der Künste Berlin 2016 kennengelernt und arbeiten seitdem gemeinsam an filmisch orientierten Projekten. 2017 waren sie zusammen zu einem Stipendium auf der Insel Vilm eingeladen und schreiben seitdem an einem Drehbuch. Paulette Penje arbeitet als Künstlerin im Bereich der experimentellen Videokunst und Performance. Niklas Seidl ist Komponist und ausübender Musiker im Bereich der zeitgenössischen Musik. In seinen Arbeiten hat er sich der Theatralik und Visualität von Musik gewidmet und ist stets auf der Suche nach Ausdrucksformen, die, von der Musik kommend, auch andere Lebensbereiche umfassen. Abhängig von Konzept und Inhalt eines Kunstwerkes wird zuerst ein Medium gewählt, um dann gemeinsam künstlerische Methoden zu entwickeln, die aus multiplen Perspektiven gedacht und im entsprechenden Medium verwirklicht wird. www.paulettepenje.com www.niklasseidl.eu

CORNELIA FACHINGER, Saarlandstipendiatin 2012: 1983 geboren. Lebt und arbeitet in Berlin. Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken (bis 2012), an der Universität für Angewandte Kunst Wien und an der Universität der Künste Berlin, Meisterschülerin von Georg Winter und Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Ausstellungsbeteiligungen mit Installationen und Videoperformances u. a. Kunsthalle Mannheim (mit Kollektiv Volume V), Kunstraum Niederösterreich Wien und Museum für Fotografie Berlin.

CYLIXE, Berlinstipendiatin Bildende Kunst 2018, arbeitet und lebt in Berlin. cylixe studierte Freie Kunst, Fotografie, Video und related Media in Braunschweig, Lissabon, Berlin und New York. Sie ist ausgezeichnet durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes, den Berlinale Kurzfilmwettbewerb, den European Media Art Festival newcomer Award, das AG Kurzfilm Emerging Artist Programm, die IBB Berlinische Galerie, die Junge Akademie der Künste, Berlin. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit sozialen Strukturen und digitaler Kultur, menschgemachten Systemen und dem Absurden. Ihre Arbeiten wurden in Festivals, Ausstellungen und Screenings in über 20 ländern gezeigt. www.cylixe.net

MIRKAN DENIZ, Berlinstipendiatin Bildende Kunst 2018, lebt und arbeitet in Zürich. Sie arbeitet mit Skulpturen, Videos und Installationen. Ihre konzeptuellen Arbeiten sind oft Rekonstruktionen und Zitate. Eines ihrer Interessen ist die Spannung zwischen der Materie und den immateriellen Effekten (Trauma, unaussprechliche Erfahrungen und Erinnerungen). Wie könnte ein Objekt (eine Skulptur) diese Spannung halten und nach der Beziehung zwischen Vergangenheit, Gewalt und Subjektivität fragen?

LYNN TAKEO MUSIOL, Berlinstipendiatin Darstellende Kunst 2018. 1990 in Leverkusen geboren. lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg. Studium der Islamwissenschaft, Soziologie und Internationale Kriminologie in Hamburg, Budapest und Jordanien. Forschungsstipendien der Universität Hamburg 2015 und 2016, Projektstipendium der Possehl Stiftung Lübeck 2016, Arbeitsstipendium MindSpace Budapest 2017 sowie Berlin Stipendium der Akademie der Künste 2018/2019. Seit 2018 Mitherausgeberin des Literaturmagazins metamorphosen. Arbeitet an der Schnittstelle zwischen Sprechtheater, Performance und Bildender Kunst. Lynn Takeo Musiols Installationen und Texte charakterisieren Fragen der Transformation und Manipulation sprachlicher, körperlicher und räumlicher Einheiten vor dem Hintergrund theatraler Situationen. Ihre/seine aktuellen Forschungsinteressen sind Post-Truth-Regime, Cities and Space, Vulnerability, Affekte, sowie A. Ernauxs Begriff der »Wiederaneignung«. www.instagram.com/sakurayatsu

ARNOLD DREYBLATT, Mitglied der Sektion Bildende Kunst an der Akademie der Künste Berlin:
INVENTAR, 2002

Ein Projekt der Klasse Dreyblatt mit Arbeiten von CAROLINE ARMAND, THOMAS ROESSLER JUTTA SCHMIDT: Spurensuche und künstlerische Intervention in einem leer stehenden Haus.

„Meine Arbeit als Gastprofessor an der HBKsaar begann mit der Diskussion über den Vorgang des Sammelns in Archiven und Museen. Was sind die Kriterien, nach denen wir Spuren der Vergangenheit für bewahrenswert erachten und wie können wir sie darstellen? Welche Möglichkeiten haben wir, um Erinnerungen an lokale Ereignisse der besiedelten Landschaft zu bewahren? Wir wollten ein leerstehendes Haus als Archiv betrachten: als Lagerstätte gelebter Geschichte. Ein zum Verkauf stehendes Bauernhaus in Rubenheim, einem kleinen saarländischen Dorf, das über mehrere Generationen von Familie Meyer bewohnt worden war, wurde unser Archiv. Dort befanden sich ein Kurzwarenladen und eine Schneiderei, welche beide einen festen Platz im Dorfleben hatten. Während der letzten Jahre, in denen sich die Bewohner mehr und mehr zurückgezogen hatten, waren manche Räume von ihnen nicht mehr betreten worden. Der Laden war schon länger geschlossen geblieben. Wir fanden uns umringt von einer ungeheuren Ansammlung von historischen Gegenständen, die uns teils anmuteten wie geologische Schichten, teils wie Reliquienschreine. Obwohl einige Räume schon fast vollständig ausgeräumt waren, waren die Spuren des täglichen Lebens auf überwältigende Weise sichtbar. Unsere Arbeit war ein Prozess des Findens, Sammelns, Sortierens und Rekonstruierens der Spuren einer Vergangenheit, welche während unserer Anwesenheit in dem Gebäude mehr und mehr zu verschwinden schien. Wir antworteten mit unterschiedlichen Medien und Kunstformen. Dann luden wir alle Einwohner von Rubenheim und auch interessierte Besucher aus der Umgebung zum »offenen Haus« ein. Wir hatten den Eindruck, dass unser Projekt unerwarteter Weise die Grenzen zwischen Kunst und Leben für einen Moment durchbrochen hatte.“ (Arnold Dreyblatt) KONVOLUT PROJEKTDOKUMENTATIOM: www.dreyblatt.net/test#/inventar-academy-of-art-saarbrcken-20012002/ inventar.dreyblatt.de