body FLUIDS

Mike Bourscheid, Aline Bouvy, John Giorno, Florian Hetz, Lotte Meret, Mary-Audrey Ramirez, Katja Tönnissen

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body FLUIDS: Die Ausstellung/ The exhibition

English version below

“Watermelon Sugar” und “WAP” heißen zwei der bisher größten Hits des Jahres 2020. Noch recht jugendfrei umschreibt der ehemalige Teenie-Schwarm Harry Styles im ersten Lied den männlichen Lusttropfen in einer blumigen Metapher, während im zweiten Song die beiden Rapperinnen Cardi B und Megan Thee Stallion explizit von verdammt feuchten Muschis, so feucht, dass man einen „Eimer und einen Wischmopp“ braucht, rappen.

Woher rührt diese (erneute) aufklärerische Beschäftigung mit Körperflüssigkeiten? Ist es die popkulturalistische Lust an der Provokation?

Ausgehend vom menschlichen Körper –  der unter anderem die genannten Flüssigkeiten produziert –  und mit Blick auf die zeitgenössische Kunst, finden sich etliche Künstler*innen, die sich provokant bis humorvoll den “body fluids” angenommen haben. Blut, Schweiß und Tränen sind neben Urin, Sekret, Sperma und anderen körperlichen Ausscheidungen Materialien der Kunst und das mitunter explizit!

Vom “Schweißtuch der Veronika”, eine der bekanntesten Reliquien des Christentums, über den Boom von Darstellungen der „Maria Lactans“ im Mittelalter bis hin zu Arbeiten der Akteure des Wiener Aktionismus oder der amerikanischen Pop Art der 1960er Jahre, schon immer vermochte die Darstellung und der Nutzen von Körperflüssigkeiten in der Kunst Schönheit und Ekel zu vereinen und damit Anziehungskraft und Provokation auf den Betrachter auszuüben.

Die Ausstellung “body FLUIDS” zeigt wie unterschiedlich Künstler*innen heute mit körpereigenen Materialien fluide Themen, wie Körper, Sexualität, Individualität und Dividualität, oder Gender in unserer übersexualisierten Digital-Gesellschaft untersuchen. Gerade in einer Zeit, in welcher Distanz- und Desinfektionsmittel-Pflicht die Sehnsucht nach Körperlichkeit verdeutlicht, scheint die Ausstellung “body FLUIDS” von besonderer Relevanz.

Kuratiert von Gilles Neiens & Johannes Honeck

In Kooperation mit dem Ministère de la Culture des Großherzogtums Luxemburg und der Botschaft des Großherzogtums Luxemburg

Kontakt: Gilles Neiens: neiens@accce.de, https://www.accce.de; johannes.honeck@gmail.com;  Saarländische Galerie: andrea.weber@saarlaendische-galerie.eu

In unserem Online Rahmenprogramm gab es bisher diese Veranstaltungen:

Freitag 4. Dezember 2020, 20 Uhr: Virtuelle Vernissage

Die aufgebaute Ausstellung body FLUIDS wird vorerst komplett in den digitalen Raum verlegt. Daher laden wir Sie am Freitag, 4. Dezember 2020 um 20 Uhr herzlich zum „distant socializing“ bei unserem „body-FLUIDS-W(h)APpening“ ein. Gilles Neiens und Johannes Honeck führen live vor Ort in der Saarländischen Galerie durch die Ausstellung und stoßen virtuell mit einem fluiden Cocktail mit allen Online-Gästen an. Zugeschaltet sind die beiden Künstler Florian Hetz und Mike Bourscheid sowie Amely Deiss, die Direktorin des Kunstpalais Erlangen. Gemeinsam werden wir über ihre Werke in der Ausstellung diskutieren und der Frage nach Fluidität in den unterschiedlichen Arbeiten nachgehen. Unterlegt ist die Eröffnungsfeier von Musiktiteln, die die Ausstellung inspiriert haben und deren Lyrics explizit um body FLUIDS kreisen.

Donnerstag, 10. Dezember 2020, 19 Uhr
Tutorial-Time mit Lotte Meret und Katja Tönnissen

Im ersten der beiden Tutorials mixt die Künstlerin Lotte Meret ein natürliches Intimpflege-Öl zusammen. Mit ihr reden wir über das Thema Körper, Wahrnehmung und Umgangsformen. Denn in ihrer Videoarbeit „surface glaze“, die auf den ersten Blick wie ein perfekter HD-Werbe-Film für Cremes und Lotions wirken könnte, fließen diese Flüssigkeiten eben nicht über perfekte Haut, sondern Haut, die porig ist, Schuppen oder Flecken hat. Das Öl kann wahre Wunder bewirken und helfen, ein neues Körpergefühl zu gewinnen. Mit Katja Tönnissen formen wir uns anschließend eine Vagina aus Knetmasse oder Ton nach, inspiriert durch ihre Brunnenskulptur “Detoxfountain” in der Ausstellung. Mit ihr sprechen wir über die Bedeutung der Vagina in Ihrer Kunst und vor allen Dingen über ihre Lust an der Provokation.

Sonntag, 13. Dezember 2020, 19 Uhr
Live-Cooking mit der Künstlerin Aline Bouvy
Zusammen mit der belgischen Künstlerin Aline Bouvy kochen wir eine ganz besondere Zwiebelsuppe nach, die auch Teil ihres neuen Werkes in der body FLUIDS Ausstellung ist. Was es mit dieser Suppe auf sich hat und warum wir nicht darum herumkommen, über die sogenanten “Soupeurs” oder “Croutenards” und öffentlichen Pissoirs zu sprechen, erfährt man beim Einschalten!

 

body FLUIDS

Watermelon Sugar” and “WAP” are two of the biggest hits so far in 2020. While in the first song, former teen crush Harry Styles uses a frisky yet still PG-rated metaphor for the male drop of precum, in the second one, the two rappers Cardi B and Megan Thee Stallion rap explicitly about damn wet pussies, so wet as to need “a bucket and a mop”.

What prompted this (revival of an) enlightening preoccupation with body fluids? Perhaps pop culture’s undying love of provocation?

Starting with the human body – which produces the flows mentioned above, among other things – and with a view to contemporary art, there springs to mind a number of artists who have taken up “body fluids” to provocative or humorous ends. Blood, sweat and tears along with urine, secretions, semen and other bodily excretions are art materials, and sometimes explicitly so!

From the “Veil of Veronica”, one of the most famous Christian relics, to the boom in portrayals of “Maria lactans” in medieval times, to works of Viennese Actionism or American Pop Art in the 1960s, the representation and use of body fluids in art have always sought to fuse beauty and disgust and thus to both appeal to and revolt the viewer.

The exhibition “body FLUIDS” shows how differently artists today are using bodily excretions to investigate fluid topics such as the body itself, sexuality, individuality, dividuality, and gender against the backdrop of our oversexualized digital society. Especially now that the obligation to distance and disinfect ourselves is heightening our longing for physical touch, the “body FLUIDS” show seems to be of particular relevance and poignancy.

Curated by Gilles Neiens & Johannes Honeck. In cooperation with the Ministry of Culture of the Grand Duchy of Luxembourg and the Embassy of the Grand Duchy of Luxembourg

Images and info: https://www.saarlaendische-galerie.eu

5. Oktober 2020